FUNKTIONS
-KIEFERORTHOPÄDIE

Ganzheitlich bedeutet bezogen auf die Kieferorthopädie, dass wir den gesamten Patienten und nicht nur die Zähne oder nur den Kiefer betrachten. Bei Kieferfehlstellungen werden nicht nur der Kiefer an sich, sondern auch eventuelle muskuläre Ungleichgewichte im Mundbereich oder Haltungsstörungen untersucht und analysiert. Der Körper und dessen Haltung ist direkt mit dem Kiefer verbunden. So wirkt sich eine Fehlstellung des Halteapparates oft auch auf den Kiefer und letztlich auf die Zähne aus. Andersherum wirkt sich eine Kieferfehlstellung, die aus einem muskulären Ungleichgewicht im Mundbereich entstanden ist, direkt oder indirekt auf den Körper und seine Haltung aus. Nacken- und Rückenbeschwerden, Knieschäden, Tinnitus und andere funktionelle oder strukturelle Probleme können durchaus mit einer Kieferfehlstellung vergesellschaftet sein.

Ganzheitliche frühkindliche Kieferorthopädie

Uns ist die Frühbehandlung im Kindergarten- und Grundschulalter besonders wichtig. Teilweise muss man im Kindergarten- und Grundschulalter nur kleine Korrekturen durchführen um umfangreichere Behandlungen zu vermeiden oder zumindest deren Umfang deutlich zu reduzieren. Für die Therapie im frühkindlichen Alter gibt es funktionsorientierte und kieferorthopädisch oromyologische Ansätze, z.B. basierend auf der Faceformer Therapie mit speziellen, konfektionierten oder individuell hergestellten Geräten. Hierbei werden Anregungen zur Selbstentwicklung des Gebisses durch kleine kieferorthopädische Maßnahmen ohne Zahnspangen und durch Entwicklungstraining gegeben. Ein kleiner Mundfunktionstest Für eine gestörte Mundraumfunktion gibt es Hinweise:

  • Sieht ihr bei eurem Kind Zahn-oder Kiefersfehlstellungen?
  • Hat euer Kind Probleme beim Abbeißen, Kauen oder Schlucken?
  • Atmet euer Kind vor allem durch den Mund?
  • Ist der Mund meist offen?
  • Bestehen Sprach-oder Stimmstörungen?
  • Schnarcht euer Kind?
  • Klagt euer Kind über Kopf- oder Nackenschmerzen?
  • Bestehen Probleme bei der Haltung?
  • Ist euer Kind oft erkältet oder leidet unter Allergien?
  • Wurde über das 3. Lebensjahr hinaus am Daumen oder Schnuller gelutscht?
  • Hat euer Kind Gewohnheiten wie Zähneknirschen, Zungenpressen, Nägelkauen, auf der Lippe beißen, oä.
  • Sind Milchzähne frühzeitig verloren gegangen?

Bei mehreren „JA“ Antworten ist ein Termin bei uns dringend zu empfehlen

Interdisziplinäre Behandlung

Andere Fachbereiche werden häufig mit einbezogen. Wenn nötig, kann neben der frühkindlichen kieferorthopädischen Behandlung auch ein Osteopath, Logopäde, Atemtherapeut oder ein Fachzahnarzt für Kieferorthopädie konsultiert werden, damit der gesamte Körper wieder in seinem optimalen, harmonischen Zustand zurückkehren kann.

Wann sollte der erste Zahnarztbesuch stattfinden?

Wir empfehlen einen Besuch ab dem ersten Zahn. Dann kann sich Ihr Kind frühzeitig an die Untersuchung gewöhnen und wir können
Sie als Eltern optimal mit Tipps rund um Ernährung, Zahnpflege & Co. versorgen.

Warum sollten Milchzähne repariert werden, wenn später sowieso bleibende Zähne durchbrechen?

Gesunde Milchzähne sind wichtig. Kinder brauchen sie zum Kauen, zum Sprechen und nicht zuletzt zum Lachen – und das viele Jahre lang. Denn obwohl die Frontzähne bei den meisten schon zu Anfang des Grundschulalters locker werden, dauert der Wechsel bei den Backenzähnen meist bis zum 12. Lebensjahr. Während dieser Zeit dienen die Milchzähne als wichtige Platzhalter für die bleibenden Zähne. Der Körper hat hierfür ein kluges System entwickelt: Erst wenn der bleibende Zahn ausgebildet ist, gibt er dem dazugehörigen Milchzahn ein Signal, damit er locker wird und ausfällt. In die entstandene Lücke schiebt sich dann der neue, bleibende Zahn. Fällt ein Zahn aber vorzeitig aus oder muss aufgrund starker Karies gezogen werden, kann das zu erheblichem Platzmangel für die bleibenden Zähne führen. In solchen Fällen können wir Ihrem Kind einen Platzhalter anfertigen, um Zahnfehlstellungen und damit verbundene hohe Folgekosten für kieferorthopädische Spangen zu vermeiden. Auch bei Milchzähnen sollte Karies frühzeitig entdeckt und entfernt werden, um Schmerzen und Entzündungen zu verhindern und zu vermeiden, dass sich die benachbarten Zähne „anstecken“. Sie merken, ein gesundes und vollzähliges Milchgebiss ist die beste Voraussetzung für die bleibenden Zähne.

In welchem Alter fallen Milchzähne aus?

Die ersten Wackelzähne entstehen in der Front. Zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr fallen die Schneidezähne aus. Die Backenzähne
lassen sich jedoch sehr viel mehr Zeit. Meist werden sie erst zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr durch bleibende Zähne ersetzt. Das
sind jedoch nur Mittelwerte, bei einigen Kindern geschieht der Wechsel etwas früher oder später.

Können Milchzähne schmerzen?

Vom Aufbau, den Wurzeln und Nerven her ähneln die kleinen Beißer bereits den bleibenden Zähnen. Daher können auch Milchzähne
Schmerzen verursachen, beispielsweise wenn Karies große Löcher verursacht. Eine schmerzfreie Behandlung ist dann meist mit einer
lokalen Betäubung zu erreichen.

In welchem Alter sollten wir mit dem Zähneputzen anfangen?

Bereits ab dem ersten Milchzahn müssen Zahnbeläge täglich gründlich entfernt werden. Putzen Sie das erste Zähnchen anfangs
abends vor dem Schlafen gehen mit einer altersgerechten Kinderzahnbürste. Bis zum 2. Geburtstag putzen Sie die Zähne bitte nur mit
Wasser oder nicht fluoridierter Zahnpasta, wenn Sie Ihrem Kind Fluoretten geben. Diese werden in der Regel vom Kinderarzt
verschrieben.
Nach dem 2. Geburtstag sollten die Milchzähne morgens und abends nach dem Essen mit einer erbsengroßen Menge fluoridierter
Zahnpasta geputzt werden. Ihr Kind kann und soll zuerst selbstständig putzen, das tägliche gründliche Nachputzen bleibt bis zum
Anfang der Grundschule jedoch Aufgabe der Eltern. Erst wenn Ihr Kind schreiben kann, hat es auch die motorischen Fähigkeiten,
effektiv für die Mundhygiene verantwortlich zu sein.

Was ist eine Prophylaxe-Behandlung?

Da Vorsorgen besser ist als Heilen, lernen Kinder in unserer „Putzschule“ wie sie ihre kleinen Beißer selbstständig und gleichzeitig
gründlich putzen. Diese Einweisung übernehmen unsere fürsorglichen Helferinnen in der Kinderprophylaxe. Im Anschluss werden die
Zähne schonend gereinigt und anschließend fluoridiert. Wenn notwendig, werden die Backenzähne versiegelt.
Die Prophylaxe ist damit nicht nur gesund für die Zähne, sondern gleichzeitig eine wunderbare Gelegenheit, die Kinder spielerisch an
die Geräte und Geräusche in der zahnärztlichen Praxis zu gewöhnen. Auf diese Weise gewinnen die Kinder Vertrauen und sammeln
positive Erfahrungen.
Vom 6. bis zum 18. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse zweimal im Jahr die Kosten dieser „Putzschule“. Wenn Ihr Kind häufig an
Karies leidet, ist eine Prophylaxe im Abstand von drei bis vier Monaten angeraten.

Unser Kind nuckelt – worauf sollten wir bei Schnuller, Daumen, Finger & Co. achten?

Zahnfehlstellungen können je nach Dauer, Intensität und Art des Nuckelns entstehen. Eine typische Fehlstellung ist der offene Biss.
Hierbei verlieren die vorderen Schneidezähne beim Zubeißen den Kontakt, sie stehen nicht mehr korrekt aufeinander. Die Folge ist, dass
das Kind nur noch seitlich abbeißen kann. Zudem rutscht die Zunge nach vorne in die entstandene Lücke, dadurch beginnt das Kind
zu lispeln.

Die meisten Kinder sind ab dem 2. oder 3. Lebensjahr oft freiwillig bereit, Ihren Schnuller abzugeben. Beim Daumen oder Finger dauert
es manchmal deutlich länger. Wir beraten Sie gerne, wie Sie Ihr Kind bei diesem Prozess am Besten unterstützen können.